New York im blaugrau – Interview mit Fotograf Thomas Schaefer zur aktuellen Ausstellung „The Dark Side“

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Liebe Leser, heute keine Kameratechnik, keine Reviews, nix zur Analogentwicklung, sondern die Vorstellung eines Bremer Fotografen:

Thomas Schaefer, Geograph, Verleger und vor allem Fotograf zeigt im Atelier blaugrau in der Bremer Neustadt seine aktuell noch laufende Ausstellung „The Dark Side“. Heute hatte ich Gelegenheit mich mit Thomas außerhalb der regulären Öffnungszeiten zu einem kleinen Interview zu treffen.

Thomas Schaefer vor Bildern der Serie "The Dark Side"

Thomas Schaefer vor Bildern der Serie „The Dark Side“

Thomas, schön dass Du Zeit gefunden hast Dich und Deine Ausstellung heute meinen Lesern vorzustellen. 

Hi Thorsten, sehr gerne. Es freut mich, dass Du Dir die Ausstellung noch während der Livehängung anschauen kannst. Bereits Ende der Woche, am Sonntag den 05.11.2017 ab 15 Uhr endet die Austellung mit einer Finissage.

Magst Du etwas zur Dir sagen?

Eigentlich nicht so viel, ich bin ein ganz normaler Typ, geboren 1967. Kreativ und neugierig war ich schon immer, egal ob ich im Bereich Grafik, Musik oder Fotografie unterwegs bin und war. Wenn meine Fotos zu den Leuten sprechen, ist mir das wichtiger, als wenn sie mich als Person spannend finden.

Kommen wir direkt zu Deiner Ausstellung. Aktuell sitzen wir ja in Bremen, aber Deine Bilder sind alle in New York aufgenommen, magst Du kurz erzählen wie Du auf die Idee gekommen bist und warum Du New York und nicht Delmenhorst gewählt hast?

Nun mach mal Delmenhorst nicht zu klein, immerhin habe ich dort vor einiger Zeit eine wirklich gute Ausstellung von Anton Corbijn gesehen. Aber New York bietet einem Fotografen sicher ein paar mehr Motive, gerade im Bereich Street-Fotografie.

Der Big Apple hat mich schon als Kind und Jugendlicher fasziniert. New York bietet für Besucher extreme Kontraste und faszinierende reizvolle Facetten. Und mein Background – ich habe Geographie studiert – fließt sicher immer auch in meine Foto-Serien ein.

Finanziell war eine Reise dorthin allerdings lange Zeit nicht möglich. Erst eine kleine Erbschaft im Jahr 2009 ermöglichte mir den Kauf einer halbwegs passablen Digital-Ausrüstung. Irgendwann gingen mir dann die Motive in Norddeutschland aus.

Der Entschluss, New York als fotografischen Schwerpunkt zu wählen, war auch ein Kampf mit mir selber: Ich bin absolut kein Weltenbummler, habe Flugangst gehabt und bin nicht gerade scharf auf laute, dreckige, hektische Umgebungen. Aber als ich dann dort war, überwog meine Neugier und die Leidenschaft für’s Fotografieren. Irgendwann beim zweiten oder dritten Flug habe ich übrigens auch die Flugangst verloren.

Ausstellung von Thomas Schaefer

Ausstellung von Thomas Schaefer

 

Das heißt Deine Bilder sind auch nicht bei einer Reise entstanden, sondern bei mehren Reisen nach New York?

Ja, ich war von 2013 bis 2016 insgesamt fünfmal dort. Nächstes Jahr soll es wieder hingehen. Es war für mich am Anfang eine Aufgabe der ich mich stellen wollte, und die für mich auch fotografisch ein Quantensprung war. Das heute in der Ausstellung zu sehende Ergebnis hat sich erst nach und nach heraus kristallisiert.

Meinen ersten Aufenthalt hatte ich übrigens über die Onlineplattform AirBnB organisiert, ohne zu wissen, was mich erwartet. Das war mit einem etwas flauen Gefühl verbunden: Natürlich kann man online Bilder der Unterkunft sehen, aber ob z.B. ein persönlicher Draht zum Vermieter entsteht, das weiß man natürlich nicht.

Die erste Unterkunft war auf Staten Island mit Blick auf die Skyline von New York und ein großer Glücksgriff. Jeden Morgen und jeden Abend die Fährfahrt rüber nach Manhattan, was viele Touristen einmal im Leben machen, gehörte bei mir zum Tagesablauf. Manhattan Skyline, Möwen, Freiheitsstatue, jeden Tag konnte ich in Abhängigkeit vom Licht schon auf meinem „Arbeitsweg“ ganz unterschiedliche Fotos machen.Inzwischen sind der Vermieter und ich gute Bekannte, ich habe dort auf Staten Island schon öfter bei ihm gewohnt und auch weiterhin Kontakt zu ihm.

Und ich hatte wirklich Glück, habe in der Zwischenzeit viele weitere Freunde und Bekannte in New York, denn bei jedem Aufenthalt wurde man wieder neuen interessanten Leuten vorgestellt, bei denen ich auf Events, Konzerten, im beruflichen und privaten Umfeld dabei sein konnte. Joel Forrester, ein Jazz Pianist der alten Schule, ist inzwischen ein guter Freund von mir. Ich habe einige Porträtfotos von ihm gemacht, eins davon hast Du ja sogar an Deiner Wand hängen, Thorsten.

Durch meine Vernetzung in New York waren die letzten Aufenthalte teilweise kostenlos, da ich zum Teil privat unterkam, was weitere Reisen überhaupt erst möglich machte. Zusätzlich erhielt ich Tipps welche Orte man in New York besuchen kann bzw. welche eher unbekannten Locations fotografisch interessant sein könnten.

Den Großteil der Motive habe ich mir aber eher intuitiv und zu Fuß erlaufen, manchmal war ich 8 Stunden zu Fuß unterwegs in Manhattan und in den anderen vier Stadtteilen Brooklyn, Staten Island, Queens und Bronx.

Wiederholten sich auf den Reisen nicht irgendwann die Motive?

Nein, New York bietet wahrlich genug Abwechslung. Und die typischen Touri-Ecken haben mich eher nicht interessiert.Die Stadt verändert sich zudem aktuell so schnell, dass man manche Ecken nach 1 oder 2 Jahren völlig verändert antrifft.Wenn ich z.B. eine Location fotografiert habe an der alte Schulbusse auf einem runtergekommenen Abstellplatz standen, dann war ein Jahr später dort ein neues Gebäude mitinteressanter Architektur zu finden.

Bestimmte Orte wie Coney Island habe ich jedes Mal aufgesucht, weil dort je nach Licht, Wetter und Jahreszeit eine unglaubliche Vielfalt an Stimmungen einzufangen ist.
Für mich ist Fotografie nicht vorrangig das Abbilden des Äußeren, sondern das was abgebildet wird, ist für mich eher eine symbolische Metapher für versteckte Dinge, Gefühle, Konzepte usw., die hinter der Oberfläche existieren und zu uns sprechen… wenn man denn nur genau genug hinschaut.

Ausstellung Thomas Schaefer

Ausstellung Thomas Schaefer

Was ist die Idee hinter der Ausstellung „The Dark Side“?

Tagtäglich begegnen uns im Alltag und vor allem in sozialen Medien aufgehübschte Personen und Selbstdarsteller. Das Ergebnis der ständigen Selbstoptimierung wird in die digitale Welt projiziert und kaum jemand kann diesen dauerfröhlichen durchtrainierten Menschen entgehen. Angst, Zweifel, Trauer, Wut, Einsamkeit, Depression, Erschöpfung, Unsicherheit usw. sind heute nicht mehr gesellschaftsfähig und werden nur noch selten gezeigt. Das ist „The Dark Side“, die ‚dunkle‘ Seite im Menschen die nur in unbeobachteten Momenten zum Vorschein kommt. Ich versuche diesen Moment zu erkennen und im Bild festzuhalten.

Die Ausstellung ist Teil des Programms von FOTOKUNSTBREMEN. http://www.fotokunstbremen.de/2017/08/the-dark-side/. Die Beweggründe meiner Auswahl sind dort noch einmal niedergeschrieben. Auch gibt es viele weitere Ausstellungen von Fotografen, die ich empfehlen kann.

Thomas Schaefer vor dem Atelier blaugrau

Thomas Schaefer vor dem Atelier blaugrau

Sind begleitend zu den Bildern noch andere Publikationen bzw. Drucksachen entstanden?

Ja, einiges sogar. Zum einen gibt es einen Ausstellungskatalog in einer Auflage von 60 Exemplaren. Alle durchnummeriert und signiert. Auch die Bilder der Ausstellung sind limitiert in einer Auflage von je fünf Exemplaren verfügbar. So lohnt sich die Drucke nicht nur für die heimische Wohnzimmerwand oder den Flur im Büro, sondern sind vor allem auch für Kunstliebhaber und Sammler interessant.

Das kann ich bestätigen, schließlich besitze ich ja selber zwei New York Bilder und zwei Bilder aus einer Portraitserie die Du fotografiert hast.

Mein New York Bild von Thomas Schaefer

Mein New York Bild von Thomas Schaefer

(Lacht). Stimmt, nur ein Buch besitzt Du noch nicht.

Stimmt. Aber das kann ja noch werden. Sind Bücher begleitend zur Ausstellung erschienen? 

Nein, als Ergänzung zur Ausstellung nicht. Aber es gibt zwei Bücher, die von mir in Einzelstücken vertrieben werden und sich eher als Kunstwerk verstehen denn als klassisches Fotobuch. Da gibt es zum einen „Traces and Faces“ eine Sammlung von Schwarzweiss Bildern aus den Jahren 2013-2016. Das Buch ist aufwendig produziert und kann in meinem Online-Shop erworben werden. (http://www.ts-fotografik.de/shop/) Zum anderen arbeite ich gerade an einem Buch für diejenigen, die sich New York in Farbe wünschen. Nach der Finissage werden im Atelier die ersten Bilder zu sehen sein, die Fertigstellung des Buches braucht noch einen Moment, so dass es wohl erst 2018 erscheinen wird.

Traces and Faces von Thomas Schaefer

Traces and Faces von Thomas Schaefer

Die Produktionskosten von „Traces and Faces“ sind aufgrund der Qualität recht hoch, so dass das Buch zu einem Preis von EUR 149,00 zu erhalten ist. Mir ist klar, dass sich das nicht jeder leisten kann oder leisten möchte, daher gibt es noch zwei Softcover Bücher die ebenfalls in meinem Shop zu bekommen sind. Mit einem Preis von unter EUR 20,00 kann sich diese Bücher jeder Kunstinteressierte leisten.

Ausstellungskatalog The Dark Side

Ausstellungskatalog The Dark Side

Besteht auch die Möglichkeit die Bücher im blaugrau zu kaufen und vor Ort signieren zu lassen?

Auch das geht. Einige Exemplare sind auf Lager und können direkt mitgenommen werden. Auch hier ist die Finissage ein guter Termin, denn man kann sich den Kauf noch mit einem Stück Kuchen versüßen.

Wie schon geschrieben ist Deine Ausstellung zum Ende der Woche zu Ende. Wie geht es dann weiter, planst Du weitere New York reisen?

Definitiv. Man könnte sagen ich habe gerade „harten Entzug“. Der letzte Aufenthalt liegt nun schon fast eineinhalb Jahre zurück und natürlich möchte ich meine Freunde in New York bald einmal wiedersehen. Das Fotografische steht diesmal dann eher an zweiter Stelle.

Kannst Du Fotografinnen und Fotografen, die planen demnächst New York zu besuchen, ein paar Tipps geben?

Dazu können wir gerne noch einen kleinen Extra-Beitrag machen, denn das würde den Rahmen dieses Interviews sprengen. Hier nur vorab zwei Tipps: Der interessanteste Fotobuchladen in New York ist sicher Dashwood Books in der Bond Street 33. Klein aber Fein, vor Eurem Besuch aber die Öffnungszeiten checken, damit man nicht umsonst dort steht. Siehe https://www.dashwoodbooks.com/

Und meine Lieblings Photo-Galerie ist die Soho Photo Gallery in der White Street 15: http://www.sohophoto.com. Ist praktischerweise ganz in der Nähe von Dashwood Books gelegen.

Vielen Dank das Interview. 

Vielen Dank für Deinen Besuch im Atelier.

Atelier blaugrau
Buntentorsteinweg 92
28201 Bremen

Thomas Schaefer
http://www.ts-fotografik.de/

 

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